Digitaler Nachlass: Konten, Daten und Profile rechtzeitig regeln
E-Mail-Postfach, Online-Banking, Fotocloud, Social-Media-Profile, Abos: Ein durchschnittliches digitales Leben umfasst weit über hundert Konten. Was damit nach dem Tod passiert, ist seit dem BGH-Urteil von 2018 grundsätzlich geklärt: Der digitale Nachlass ist vererbbar wie Briefe und Tagebücher. Praktisch stehen Erben trotzdem oft vor verschlossenen Türen. Dieser Ratgeber zeigt, wie du vorsorgst, und warum das Thema auch für dich selbst relevant ist, lange bevor es um Erben geht.
Was zum digitalen Nachlass gehört
- Konten mit Geldwert: Online-Banking, PayPal, Depots, Krypto-Wallets, Guthaben bei Shops und Plattformen
- Kommunikation: E-Mail-Postfächer, Messenger
- Erinnerungen: Foto-Clouds, Social-Media-Profile
- Laufende Verträge: Abos, Mitgliedschaften, Domains
- Öffentliche Spuren: Webseiten, Blogs, Foren-Beiträge, Einträge in Verzeichnissen
Die Rechtslage in Kürze
Erben treten in die Verträge des Verstorbenen ein und haben grundsätzlich Anspruch auf Zugang zu den Konten (BGH, Urteil zum Facebook-Konto, 2018). In der Praxis verlangen Plattformen Erbschein und teils langwierige Verfahren, und manche Anbieter (etwa Apple oder Google) haben eigene Nachlass-Mechanismen, die schneller funktionieren als der Rechtsweg, aber nur, wenn sie zu Lebzeiten eingerichtet wurden.
So regelst du deinen digitalen Nachlass in 5 Schritten
- Konten-Inventar anlegen: Eine Liste aller wichtigen Accounts (ohne Passwörter) mit dem Hinweis, was damit geschehen soll: löschen, weiterführen, sichern.
- Passwort-Manager plus Notfallzugang: Alle Zugänge in einen Passwort-Manager, und dessen Master-Zugang für den Notfall regeln (Notfallkontakt-Funktion des Managers oder versiegelter Umschlag im Safe bzw. beim Notar).
- Plattform-Funktionen aktivieren: Google "Kontoinaktivität-Manager", Apple "Digitaler Nachlass" (Nachlasskontakt), Facebook "Nachlasskontakt". Diese Funktionen kosten nichts und ersparen Erben Monate.
- Vollmacht schreiben: Eine über den Tod hinaus gültige Vollmacht für den digitalen Nachlass, damit eine Vertrauensperson sofort handeln kann, ohne auf den Erbschein zu warten.
- Klare Anweisungen hinterlegen: Was soll gelöscht werden, was bleiben? Sollen Profile in den Gedenkzustand? Wer informiert Online-Kontakte?
Der unterschätzte Schritt: aufräumen zu Lebzeiten
Der einfachste digitale Nachlass ist der, den es nicht gibt. Jedes Konto, das du heute löschst, ist eines, das niemand später mit Erbschein, Support-Tickets und Wochen an Schriftverkehr abwickeln muss. Gerade zum Renteneintritt lohnt die Inventur: Das Xing-Profil, das berufliche LinkedIn, alte Bewerbungsunterlagen auf Jobportalen, Branchenverzeichnis-Einträge, all das hat seinen Zweck erfüllt und bleibt sonst noch Jahrzehnte öffentlich stehen.
Aufräumen zu Lebzeiten hat zudem einen Effekt, den Nachlass-Planung allein nicht leistet: Es schützt dich selbst, jetzt. Öffentlich auffindbare Adressen, Telefonnummern und Lebenslauf-Details sind der Rohstoff für Spam, Phishing-Anrufe ("Enkeltrick 2.0") und Identitätsmissbrauch, und ältere Menschen sind das bevorzugte Ziel.
Checkliste für den Start
- [ ] Passwort-Manager einrichten, Notfallzugang regeln
- [ ] Nachlass-Funktionen bei Google, Apple, Facebook aktivieren
- [ ] Konten-Inventar erstellen
- [ ] Nicht mehr benötigte Accounts löschen (Anleitung: siehe unseren Ratgeber "Alte Accounts finden und löschen")
- [ ] Öffentliche Fundstellen prüfen: Was zeigt die Google-Suche nach deinem Namen?
Für den letzten Punkt gibt es unseren kostenlosen Scan: DatenLöschenLassen.de zeigt dir, wo dein Name, deine Adresse und deine Fotos im Netz auftauchen, und hilft dir, alles zu entfernen, was nicht bleiben soll. Damit dein digitaler Fußabdruck schon zu Lebzeiten so klein ist, wie du ihn haben willst.
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